Rückblick 2021 - Die Frau vor der Kamera

Veröffentlicht am 6. Januar 2022 um 20:27

2021 - über mein Shootingjahr habe ich euch bereits berichtet. Doch das Leben besteht nicht nur aus Fotoshootings und scheinbar nur schönen Momenten.

Mit diesem Blogeintrag möchte ich euch nun die andere Seite der Medaille zeigen. Denn auch ein scheinbar immer glücklicher Mensch hat auch eine andere Seite: Das Privatleben. Oft ist das Lachen ehrlich und ernst gemeint. Doch manchmal ist es nur eine Maske, um zu verbergen, was einen wirklich belastet.

 

 

Abgesehen von der Corona-Pandemie hat das Jahr eigentlich ganz gut angefangen. Zusammen mit dem Mann fürs Leben, entspannt bei 40 Grad warmen Wasser im Pool bei den Nachbarn. Eigentlich ein perfekter Jahresstart.

Perfekt war das Jahr jedoch kein bisschen. Es war eigentlich sogar ein schreckliches Jahr. Schon zu Beginn des Jahres hatte ich mit der Psyche zu kämpfen, nicht nur wegen Corona. Es kam einiges zusammen. Das I-Tüpfelchen kam dann auf der Arbeit, was mich dann doch psychisch ausknockte. Ich musste also gesundheitlich aussetzen. Und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, kommt die Kündigung während des Insolvenzverfahren des Arbeitgebers.

Also setzen wir unser Lächeln auf, sehen das ganze positiv und als Chance und nutzten die Zeit sinnvoll. Jobsuche, Shootings, Zeit mit der Familie. Alles, was einem gut tut!

Wir fassen zusammen: Psychischer Zusammenbruch und Job weg. Alles klar. Nichts, was man nicht hinbekommen kann. Doch mein Karma ist ein riesengroßes Arschloch - das bin ich gewohnt. Aber irgendwann ist bei jedem eine Grenze erreicht. Und meine Grenze war zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht erreicht.

Im Juli war es, soweit ich mich erinnere, hörten wir nach 7 Monaten Kontaktabbruch das erste Mal wieder von meinem Schwager, der sich für ein naja.. anderes Leben entschieden hatte. Fazit: Er hat mal wieder Scheiße gebaut und wir waren natürlich da, um seine Freundin aufzufangen und ihm mal wieder böse und enttäuschte Sätze an den Kopf zu werfen.

Ich versuchte mich mit Familie und Shootings abzulenken, sagte mir immer "Es geht mir gut, das ist alles halb so tragisch".

Wochenlang. Bis eines Sonntagmorgens das Handy klingelte. Ich könnte jetzt schreiben, dass dieser Anruf mich extrem mitgenommen hat, mein Leben verändert hat, was es auch tat. Aber was dieser Anruf wirklich in einem auslöst, kann man nicht in Worte fassen.

Man kennt Suizidversuche oft nur aus dem TV oder aus Büchern. Aber wenn du plötzlich in der Familie einen solchen Vorfall hast. Du plötzlich nicht mehr weißt, ob du die Person je wiedersiehst, sie nochmal in deine Arme schließen und ihr "Ich hab dich lieb" sagen kannst. Wenn du nichts hast tun können, um es zu ahnen oder zu verhindern.. es wirft dich völlig aus der Bahn. Es hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Doch für Schwäche war keine Zeit. Denn ich musste stark sein. Stark für meinen Freund, der mich in der Zeit umso mehr brauchte. Stark für den Mann, stark für SIE! Und das Leben ging für mich ja auch noch weiter. Die Jobsuche.

 

Dazu kam, dass man durch Corona nichtmal hat ins Krankenhaus dürfen. Nicht am Bett sitzen, während eine für dich wichtige Person im künstlichen Koma liegt. Es war nicht schön sage ich euch. Und Verständnis hat man in so einer Situation für die ein oder andere Regelung auch in keinster Weise. Entsprechend wuchs auch schnell der Hass gegen die Regierung und manche Regelungen. Vom lieben Janine ging 2021 einiges verloren. Es war als hätte sich mein Herz einfach verdunkelt.  Lange Rede, kurzer Sinn: Es ging nochmal alles gut. Person X ist mittlerweile wieder gesund, hat wohl keine bleibenden Schäden und das allerwichtigste: Wir haben sie noch bei uns!

Nach 6 Monaten Arbeitssuche begann zum 02.11. mein Leben endlich wieder normaler zu werden. Es kam wieder Routine, ein Zweck. Endlich wieder Geld verdienen, endlich nicht mehr bei Freund und Familie Geld borgen. Endlich wieder die Möglichkeit haben, sich selbst auch mal was zu gönnen. Naja gut. Seit Dezember muss ich Krankenpflegerin spielen, nachdem der Freund einen Arbeitsunfall hatte. Dann noch Weihnachtsvorbereitungen,.. langweilig wurde es nicht. xD

Ich habe lange gebraucht, um es mir selbst einzugestehen, noch länger habe ich gebraucht die Wahrheit zu akzeptieren und noch sehr viel länger darüber zu sprechen.

"Immer das Gute in der Sache sehen", "Immer positiv denken" - immer für die anderen da sein, helfen. Für die Familie, für Freunde. Auf der Arbeit. Jederzeit. Das man dabei schnell vergisst, wieviel man in sich selbst reinfrisst und was das aus dir macht, naja, das hat man in dem Moment nicht auf dem Schirm. Es ist absolut einfach, neben einer Person zu sitzen, der es gerade nicht gut geht und Tipps zu geben. Zu sagen "Ich bin für dich da, alles wird wieder gut". Aber hast du schonmal versucht deine eigenen Ratschläge bei dir anzuwenden? Klappt absolut. Nicht. Doch es ist kein Grund sich zu schämen. Es ist nichts schlimmes daran, Mensch zu sein, sich an einer psychischen oder emotionalen Belastungsgrenze zu befinden. Das macht uns aus "Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen" - und wenn es mal nicht weitergeht, dann finden wir eben einen neuen Weg.

2021 war auf psychischer Ebene nicht ganz einfach für mich. Ich habe mir auch für 2022 keine Vorsätze gemacht. Was ich allerdings beschlossen habe, ist mich von DIngen zu entfernen, die mir nicht gut tun, einen Gang langsamer zu machen und nicht mehr alle Verantwortung über mich laufen zu lassen. Das ist dieses eine einzige Leben, welches wir haben, nicht wert.

Für 2022 habe ich mir vorgenommen, als Model noch aktiver zu sein, wieder mehr an Qualität und Posing zu arbeiten, Altlasten abzulegen und auch die gewerbliche Seite als Model auszubauen. Ob das letzten Endes alles so kommt, liegt nicht nur an mir. Aber wenn es keine Shootinganfragen gibt, dann ist das auch ok. Dann verbringe ich Zeit mit den Menschen, die mir wichtig sind.


Warum erzähle ich euch das alles? Was geht andere Menschen mein Privatleben an?

Richtig, theoretisch geht es niemanden was an. Praktisch ist es mein Weg, auszusprechen, was ich lange in mich reingefressen habe und loszulassen. Ich möchte keine Aufmerksamkeit und schon gar kein Mitleid!
Ich möchte auf diesem Wege einfach loslassen können und mich auf neues konzentrieren können.

Und die Shootings sind auch heute noch mit ein Grund, weshalb ich noch immer stehe und weitergehe. Denn sie holen mich für einen kurzen Moment aus meinem Leben raus und zeigen mir, wer ich bin und was ich kann.


«   »

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.